22.06.2026

Abschlussgespräche im Projekt "Wider das Vergessen" am Foucault-Gymnasium

 

Seit Beginn dieses Schuljahres beschäftigen sich Schüler*innen ab Klassenstufe 6 aller weiterführenden Schulen in Hoyerswerda intensiv mit der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. In verschiedenen Formaten haben sie gelernt, wie wichtig es ist, historische Verantwortung zu übernehmen und demokratische Werte aktiv zu leben.

Zum Abschluss dieses besonderen Projektjahres erhielten die vier 10. Klassen des Léon-Foucault-Gymnasiums am 17.06.2026 Besuch von fünf beeindruckenden Persönlichkeiten aus Berlin und Dresden. Sie kamen nach Hoyerswerda, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und ihre Familiengeschichten zu teilen. Zwei der Gäste, Wolf Stötzel und Thomas Zschocher, berichteten in Klassen von ihren Vätern, die als Häftlinge im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert waren. Die Jugendlichen reagierten sehr emotional, hörten aufmerksam zu und entwickelten spürbare Empathie für die beiden Männer und ihre Familiengeschichten.

Besonders eindrucksvoll war der Beitrag von Christine Bücher aus Dresden. Nach intensiver Recherche fand sie heraus, dass ihre eigene Familiengeschichte zwei Seiten trägt: Vorfahren, die überzeugte Nationalsozialisten waren, und andere, die jüdische Wurzeln hatten und zum Teil nach Auschwitz und Theresienstadt deportiert und ermordet wurden. Ihre Offenheit und ihr Mut, diese widersprüchliche Geschichte mit den Jugendlichen zu teilen, hinterließen einen tiefen Eindruck.
Weitere Gäste aus Dresden waren Judith Meinhardt und Herbert Lappe, beide eng mit der Jüdischen Gemeinde Dresden verbunden. Sie berichteten ebenfalls vor einer Klasse von den Erfahrungen ihrer Familien während der NS-Zeit und darüber hinaus — bis in die DDR hinein. Die Schüler*innen nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen, mitzudiskutieren und ihr bereits erworbenes Wissen zu vertiefen.
Für viele Jugendliche war dieser Tag ein Höhepunkt des gesamten Projektjahres. Sie waren bereits umfassend informiert, doch die persönlichen Begegnungen setzten ein wichtiges I-Tüpfelchen der Erinnerungskultur. Sie machten Geschichte greifbar, menschlich und emotional erfahrbar.
Dieser Projekttag zeigt eindrucksvoll, wie wichtig es ist, jungen Menschen Räume zu eröffnen, in denen sie Fragen stellen, reflektieren und Verantwortung entwickeln können. Sie stärken Jugendliche darin, Haltung zu zeigen und sich für ein respektvolles, demokratisches Miteinander einzusetzen.
Verantwortlich für die mittlerweile 30jährige Projektumsetzung ist RAA Hoyerswerda/Ostsachsen e.V., VVN BdA-Stadtverband Hoyerswerda mit Unterstützung der Stadt Hoyerswerda.