Frühe Bildung muss stärker in den Fokus rücken
Ein Kommentar der Koordinierungsstelle Bildung Hoyerswerda
Der 11. Nationale Bildungsbericht wurde Mitte Juni veröffentlicht – eine empirisch fundierte Bestandsaufnahme des deutschen Bildungssystems. Interessante Erkenntnisse geben hier Aufschluss von der frühen Bildung bis zur Weiterbildung im Erwachsenenalter. Inhaltlich liegt der Fokus in diesem Jahr auf Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft.
Aus den erhobenen Daten wird deutlich, dass der demografische Wandel inzwischen auch in den Kitas angekommen ist. Die Zahl der betreuten Kinder in Kindertageseinrichtungen ging 2024 erstmals leicht zurück, wenngleich dieser Fakt in Ostdeutschland schon länger zu beobachten ist (vgl. S. 4). Dabei bedeutet der Rückgang der Kinderzahlen nicht automatisch weniger Herausforderungen. Der Abbau von Personal, weitere Einsparungen und die steigenden Förderbedarfe bei den Kindern selbst, erfordern nach wie vor präventive, nachhaltige und qualitative Lösungen.
Besorgniserregend ist, dass Kinder in ihren ersten Lebensjahren immer weniger grundlegende Kompetenzen erlangen (vgl. S. 17). Zahlreiche Berichte unserer Erzieher*innen bestätigen dies aus ihrer täglichen Praxis. Die durch unser Gesundheitsamt durchgeführten Untersuchungen der 4-Jährigen und die Schuluntersuchungen liefern dazu passende Zahlen. Sprachbildung, Zahlenvorwissen, Visuomotorik und Konzentration – Kinder benötigen eine immer stärkere Förderung in diesen Kompetenzen. Der Bildungsbericht zeigt in seinen Untersuchungen auf, dass Bildungsungleichheiten lange vor der Einschulung entstehen und während der Schulzeit in etwa stabil bleiben (vgl. S. 17). Die Studie sieht hier eine Ursache in der sozialen Herkunft der Kinder. Kinder wachsen von Geburt an in unterschiedlichen Lebenswelten heran und haben unterschiedlich ausgeprägte Ressourcen zur Verfügung. Das Risiko, dass Kinder Förderbedarfe entwickeln, ist höher, wenn sie aus sozioökonomisch benachteiligten Familien stammen (vgl. S. 16) Diese Erkenntnis ist nicht neu, wenngleich sie immer wieder als Weckruf zu hören sein sollte, den Fokus von Maßnahmen, die Bildungsungleichheiten reduzieren wollen, auf die frühe Bildung zu legen. Eine frühe Förderung ist damit entscheidend für spätere Bildungschancen und die Kita wird zu einem zentralen Ort für Prävention und Chancengerechtigkeit.
Der Bericht empfiehlt, demografisch bedingt entstehende Spielräume z.B. für die Qualitätsentwicklung, etwa einen verbesserten Personal-Kind-Schlüssel, zu nutzen.
Ein spürbares positives Signal, welches auch hier bei uns in Hoyerswerda angekommen ist, ist die Verlängerung des ESF-Plus-Programms Kinder stärken 2.0. Zusätzliche Fachkräfte unterstützen in einigen unserer Kitas Kinder und deren Familien in besonders herausfordernden Lebenssituationen.
Dennoch bleibt viel zu tun. Bildungsgerechtigkeit herzustellen ist eine Mammutaufgabe und liegt nicht nur in der Verantwortung Einzelner. Es braucht alle Beteiligten und Akteure, die an der Bildungsbiographie mitwirken.
Wir schließen mit einem Zitat aus dem Bildungsbericht:
„Der Abbau von Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft ist eine langfristige und anspruchsvolle Aufgabe, die einen systemischen und koordinierten Ansatz sowie klare, überprüfbare Zielsetzungen erfordert. Ein hohes Potenzial liegt insbesondere in frühen Bildungsphasen, da die dort erworbenen Kompetenzen grundlegend für den weiteren Bildungsverlauf sind; zugleich bleiben auch spätere Bildungsphasen bedeutsam, um bereits entstandene Ungleichheiten zu kompensieren.“ (S. 16)
Als Koordinierungsstelle Bildung setzen wir diesen systemischen und koordinierenden Ansatz um und sind inmitten dieses herausfordernden Prozesses mit den Akteuren in Kooperation wohlwissend der aktuellen Kürzungsdebatten im sozialen Bereich, die diese zusätzlich erschweren. An dieser Stelle ein großer Dank an alle Beteiligten für die gute Zusammenarbeit.
Quelle: Bildungsbericht
https://www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte-seit-2006/bildungsbericht-2026/pdf-dateien-2026/bildung_in_deutschland_2026_kompakt_web.pdf (Stand: 08.09.2026)