Interview mit Uwe Proksch
1. Wenn Sie auf Ihre Zeit zurückblicken – welche Momente oder Entscheidungen waren für Sie persönlich am prägendsten?
Da hat sich in 32 Jahren Geschäftsführertätigkeit doch einiges angesammelt. Da war natürlich erstmal der Übergang vom „Laden“ zur Gründung des Vereines Kufa e.V.. Spannende Aufbaujahre, erst im alten Pionierhaus, dann in der 16-jährigen Interimslösung in der „Zwischenbelegung“ am Stadtrand. Dort haben wir aufgrund der Randlage sozusagen von außen in die Stadt blicken dürfen und bemerkt, welche Lethargie sich da auch in der Bevölkerung breitmachte. Schrumpfung, Abwanderung, Abrisse, ausländerfeindliche Aktivitäten - da haben wir zahlreiche Projekte initiiert, die viel zur Änderung dieses Klimas beigetragen haben. Und das immer mit einem großen Spaßfaktor. Die Gestaltung von Lebensqualität ist uns bis heute wichtig. Das änderte sich auch nicht, als es dann zum nächsten großen Schritt kam, zur Übernahme der freien Trägerschaft der Soziokulturellen Arbeit und zum Umzug in die sanierte Braugasse 1.
2. Was war für Sie die größte Herausforderung – und wie sind Sie ihr begegnet?
Herausfordernd war die Zeit während des Baus der „Braugasse1“. Da kann man Dorit Baumeister und ihrem Büro nicht genug danken, dass sie im Sinne einer lebendigen Stadt bis zum Schluss um dieses Gebäude gekämpft hat. Vorm Umzug war uns klar, dass es jetzt nicht mehr nur um Veranstaltungen und Projekte geht, sondern dass wir ein Bürgerzentrum für alle Bürger, mit all seinen administrativen zusätzlichen Bewirtschaftungsaufgaben, in den Griff bekommen mussten. Dank vieler Gespräche und Workshops im Team und im Verein, inkl. eines engagierten Vorstandes, haben wir auch das hinbekommen.
Eine große Herausforderung ist auch immer wieder die Finanzierung.
Durch den Betreibervertrag gibt es die notwendige Unterstützung durch die Stadtverwaltung. Dadurch ist u.a. die Finanzierung der Miete und der Betriebskosten abgesichert. Zusammen mit dem Zuschuss aus dem Kulturraum (Sparte Soziokultur), der nun leider auch in Frage gestellt ist, verfügten wir über einen Sockelbetrag, auf dessen Basis sich die inhaltliche Arbeit entwickeln ließ.
Trotzdem starten wir jedes Jahr mit einer erheblichen Lücke im Haushaltsplan, die im Laufe des Jahres erst durch Einnahmen wie Eintrittsgelder, Spenden oder Projektzuschüsse zu füllen gilt. Das ist immer eine wirklich große Herausforderung, da man am Jahresanfang nicht weiß, kann man im September noch die Gehälter bezahlen? Bisher haben wir es immer geschafft. Allerdings sind Tarifsteigerungen so kaum machbar.
3. Welche Aufgaben oder Themen sollten weiterhin eine wichtige Rolle spielen? Wo sehen Sie das größte Potenzial in der Weiterentwicklung?
Das Bürgerzentrum soll weiterhin als 3. Ort für die Menschen - neben Arbeits- und Wohnort - also als Begegnungsort funktionieren und so bürgerschaftliches Engagement ermöglichen. Somit sollen weitere Nutzer*innen die vielfältige Infrastruktur des Hauses kennenlernen. Wir sollten die kulturelle Vielfalt und das einzigartige, generationsübergreifende Veranstaltungsprofil erhalten. Natürlich sollen auch weiterhin neue Formate entwickelt werden, um noch stärker weitere Zielgruppen ins Haus zu locken. Solche Häuser mit ihren weichen Standortfaktoren werden im Sinne des benötigten Zuzuges eine entscheidende Rolle im aktuellen Strukturwandel spielen und benötigen jegliche Unterstützung.
4. In welcher Art und Weise werden Sie die KuFa noch begleiten und was ist Ihre Zukunftsvision/Wunsch für den Verein?
Ich werde jetzt nach 32 Jahren die Geschäftsführung und ein etabliertes und gut aufgestelltes Haus in neue Hände übergeben. Ab Mai bin ich dann im Verein ehrenamtlich weiter für Veranstaltungen zuständig. Und natürlich werde ich die bereits angeschobenen Sachen federführend umsetzen, also den Kultursommer mit dem Braugassentheater, 10 Jahre Kunstraum und den Kunstmarkt im November.
Ich wünsche mir, dass die verantwortlichen Kolleg*innen in Politik und Verwaltung und auch im Kulturraum weiterhin die Bedeutung des Zentrums erkennen und sich dafür einsetzen.
Ich denke, dass durch das tolle Team mit Heidi Pinkepank als neuer Geschäftsführerin und den engagierten Vereinsmitgliedern die anstehenden Aufgaben gelöst werden können. Und ich hoffe, dass wir gemeinsam den Generationenwechsel hinbekommen und uns auch weiterhin in die Stadtentwicklung aktiv mit Projekten und unserem Know-how einbringen werden, um in Partnerschaft mit vielen anderen unseren Beitrag für eine lebenswerte und lebendige Stadtgesellschaft und Kulturlandschaft zu leisten.